Neue Medien – Neue Lernkultur

Letzte Woche fand die Tagung „Neue Medien – Neue Lernkultur“ der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg statt.

 

Sie startete mit einem Inputreferat von Wolfgang Wirtz. Er ist Co-Leiter der Geschäftsstelle Kompetenzteam Rhein-Sieg-Kreis (Nordrhein-Westfahlen). Das Land NRW hat erkannt, dass es einige zusätzliche Personen braucht, um an Ort und Stelle Lehrpersonen weiterzubilden und auch die technischen Begebenheiten zu unterhalten. Wie bis anhin einer Lehrperson eine halbe Entlastungsstunde für den technischen Support, sowie Tipps und Tricks für den Einsatz von Neuen Medien im Unterricht zu geben, verlangt wohl einiges an Idealismus und Goodwill der Betroffenen. Wird die Implementierung von Neuen Medien im Unterricht wirklich ernst genommen, so kostet es einiges an Zeit und eben auch Geld. Diese momentanen Investitionen werden sich aber längerfristig lohnen.

 

Im zweiten Teil besuchte ich zwei verschiedene Workshops.

 

Im ersten Workshop stellte uns Marlies Schedler die Lernplattform deutsch4alle.at vor. Sie lernt Flüchtlingen, welche oftmals Analphabeten sind, Deutsch. Auf der Homepage hat es verschiedene tolle Ideen und Materialien für Lehrpersonen und freiwillige Helfer, die kostenlos eins zu eins eingesetzt werden können. Es war spannend ihr zuzuhören, wie sie weit über ihren eigentlichen Auftrag mit den Flüchtlingen arbeitet. Dazu braucht es viel Freiwilligenarbeit.

 

Im zweiten Workshop präsentierte uns Thomas Schroffenegger seine Matheplattform „matholino.at“. Die einfach zu bedienende Plattform wird ständig erweitert und kann von Lehrpersonen der Grundschule und Mittelschule kostenlos genutzt werden.

 

Fällt was auf?

 

Unzählige Personen aus dem Bildungsbereich arbeiten weit über ihren eigentlichen Auftrag hinaus, damit sich der Einsatz von Neuen Medien im Unterricht durchsetzen wird und die Geräte so kostengünstig wie nur irgendwie möglich genutzt werden können. Jedoch dürfen wir nicht vergessen, dass Bildung auch etwas wert sein muss. Und hier möchte ich den Ball den Regierungen der Länder weitergeben. Die Politik ist verantwortlich dafür, dass alle Kinder und Jugendlichen in der Schule den bewussten und vernünftigen Umgang mit Handy, Tablet & Co. lernen. Diese verantwortungsvolle Aufgabe darf nicht einfach dem Zufall überlassen werden. Dafür liegen uns die Erwachsenen von Morgen zu sehr am Herzen!

Alter Wein in neuen Schläuchen oder neuer Wein in alten Schläuchen?

Einen Tag ( ja wirklich 24 Stunden!) lang austauschen, diskutieren, lernen, ablehnen, zulassen.
Am DataQuest Campus 2016 konnte ich wieder viele neue Inputs erfahren.

Swisscom plant für das Jahr 2020 5G. Was bedeutet dies – 10 Gigabit pro SEKUNDE. Das heisst zehn Mal schneller als aktuell über Glasfaser. Moment mal – Soll meine Schule wirklich ans Glasfasernetz (der Bau ist wohl nicht ganz „billig“…), wenn es in rund 3 Jahren zehn Mal schneller über WLAN geht?

 

Lasst mich wieder zurück zum Hauptgeschäft kommen – das Unterrichten mit Hilfe von Digitalen Medien.

 

Was mussten die Kinder früher in der Schule  können?
Schreiben, Rechnen, Lesen. Kann man gut beurteilen und über Lehrmittel lehren!

 

Was sind die zukünftigen Skills, welche unsere Kinder brauchen werden?
Wir wissen schlichtweg noch nicht, wohin der Weg aktuell hingeht. Seit der Erfindung des Buchdruckes war die Zukunft der Schulbildung wohl kaum so unsicher wie jetzt.

Was denken wir aktuell, was unsere Kinder können müssen, um fit für die Zukunft zu sein?

Schreiben, Rechnen, Lesen, Englisch, Französisch, Informatik, Hygiene, gesunde Ernährung, Umgang mit Geld, Zehnfingersystem, Schul- und Blockschrift… ja und jetzt kommt NOCH mehr dazu, die über allen anderen Lernzielen stehen:
Kommunikation, Kreativität, Kollaboration, kritisches Denken

 

Selbstverständlich können wir diese Skills auch analog lernen:
Gruppenarbeiten, Zeichnen, Werken, Schneiden, Sägen, Singen, Austauschen und das, was der Duden und Brockhaus uns lehrt, kritisch zu hinterfragen – hä???

Jetzt wird es analog wohl etwas schwierig. Wer von Euch hat zu Hause noch den kompletten Brockhaus? Wahrscheinlich kaum jemand…

Was hat aber fast jeder zu Hause: Natürlich – Wikipedia und Google.
Und jetzt wird es spannend: Wurde früher Wissen für viel Geld eingekauft (mit der Sicherheit, dass das, was drin steht auch wirklich stimmt), werden wir heute überflutet mit Fakten und Informationen, welche es auf Korrektheit zu filtern gilt. Und da bin ich gleicher Meinung wie Manfred Spitzer (Mensch, wie schwer mir das fällt!!!). Es braucht gelerntes Vorwissen, um all die Daten auch wirklich kritisch zu hinterfragen.

Vom reinen Aneignen von Wissen, zum Filtern von Informationen und diese dann, und das ist eben neu, KRITISCH zu hinterfragen, da niemand gewährleisten kann, ob es so stimmt oder eben nicht.

Egal ob neuer Wein in alten Schläuchen oder alter Wein in neue Schläuche? Der Wein wird wohl nicht geniessbar sein, auch wenn der beste Weinbauer seine Pflänzchen tagtäglich hegt und pflegt.

Also braucht es neben neuem Wein auch neue Schläuche, damit wir unsere Kinder wirklich fit für die Zukunft machen können.

 

Zum Schluss möchte ich mich vielmals beim DataQuest Team für die perfekte Organisation bedanken! Der Event war wieder grossartig!

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